Equna vs. Tricount: Warum eine Reise-App keine Beziehungs-App ist
Tricount ist in Europa der Reise-Klassiker fürs Geld-Teilen — schnell, leicht, perfekt für Trips und WGs. Für Paare, Familien und getrennt lebende Eltern fehlen aber die Dinge, die im Alltag wirklich zählen. Ein ehrlicher Vergleich.
Tricount ist in Europa der Klassiker fürs Geld-Teilen unter Freunden. Schnell ein paar Leute hinzufügen, Ausgaben rein, fertig — wer schon mal eine Reise mit Freunden oder einen Junggesellenabschied abgerechnet hat, kennt es. Seit der Übernahme durch die niederländische Neobank Bunq (2022) ist Tricount noch weiter in Richtung „smartes Abrechnen" gegangen.
Aber Tricount ist im Kern eine Reise- und Gruppen-App. Wenn ihr ein Paar seid, eine Familie führt oder als Co-Eltern eure Kinderkosten teilt, fehlen wieder genau die Dinge, die im Alltag jeden Monat wehtun.
Letzte Woche habe ich Equna gegen Splitwise gestellt. Vieles davon gilt sinngemäß auch hier — aber Tricount hat genug Eigenheiten, dass es einen eigenen Artikel verdient.
1. Equna ist für genau zwei Erwachsene gebaut
Tricount denkt in Gruppen. Du erstellst einen „Tricount" pro Anlass — die Reise im Juli, die WG, den Junggesellenabschied. Bei jeder Ausgabe wählst du wieder aus, wer beteiligt ist, wer wie viel zahlt, wer wie viel mitträgt.
Equna ist eine Zwei-Personen-App. Eine Gruppe, zwei Erwachsene, plus eure Kinder. Punkt. Das spart pro Ausgabe drei bis vier Klicks — und mental noch viel mehr:
- Keine Auswahlboxen pro Ausgabe — die App weiß, dass es um euch beide geht.
- Ein einziger Verteilungsschlüssel (z. B. 50/50 oder 60/40), einmal gesetzt, gilt automatisch.
- Keine zehn parallel laufenden „Tricounts" für Haushalt, Kinder, Urlaub, Geschenke — alles ist an einer Stelle.
Wenn ihr nicht „Geld zwischen vielen verteilen" wollt, sondern mit einer Person Alltag teilen — dann ist diese Reduktion genau das Richtige.
2. Kinder sind ein eigener Bereich, kein „weiterer Teilnehmer"
In Tricount muss man Kinder entweder als zusätzliche Teilnehmer anlegen (was komisch wirkt, weil ein 5-Jähriger nichts zahlt), in der Beschreibung als Vermerk führen oder einen zweiten Tricount nur für Kinderkosten aufmachen.
Equna hat „Kind" als eigenen Ausgabenbereich — gleichberechtigt neben „Gemeinsam" und „Persönlich". Daraus ergeben sich zwei Sachen, die in Tricount schlicht nicht vorgesehen sind:
- Eigene Verteilung für Kinderkosten: Vielleicht teilt ihr den Haushalt 50/50, die Kinderkosten aber anders, weil ein Elternteil mehr verdient. In Equna stellt ihr das einmal ein.
- Einzelne Kinder mit Namen (Premium): Wenn ihr mehrere Kinder habt, könnt ihr Ausgaben gezielt einem Kind zuordnen — Schulausflug für Lea, Winterjacke für Max — und seht am Ende, was tatsächlich für wen ausgegeben wurde.
Gerade nach einer Trennung ist das ein Riesenunterschied. Kein nachträgliches Sortieren, keine improvisierten Hashtags in der Beschreibung.
3. Monatsabschluss statt offener Bilanz
Tricount ist auf das Modell „Ein Anlass beginnt, läuft, endet — dann settled man" gebaut. Für eine Reise funktioniert das perfekt: Trip vorbei, Bilanz ziehen, jeder überweist, Tricount archivieren.
Für eine Beziehung oder Co-Elternschaft funktioniert dieses Modell weniger gut. Ihr habt keinen klaren „Trip endet" — euer Leben endet (hoffentlich) nicht im Juli. Was passiert in der Praxis: Der Tricount läuft weiter und weiter, die Salden werden unübersichtlich, irgendwann macht jemand „Settle all" und dann läuft es wieder weiter.
Equna macht das anders. Es gibt einen klaren Monatsrhythmus:
- Im Monat tragt ihr Ausgaben ein.
- Am Monatsende bestätigt jeder den Monat einmal.
- Sobald beide bestätigt haben, wird der Monat archiviert (als Snapshot mit allen Details), und Equna sagt euch: „A schuldet B genau X €" — einmalig, klar, abgeschlossen.
- Der nächste Monat beginnt mit einem sauberen Tisch.
Ein Monat ist ein Monat. Was bezahlt ist, ist bezahlt. Was unklar ist, klärt ihr vor dem Abschluss — nicht in einer offenen Bilanz, die seit zwei Jahren mitläuft.
4. Beanstandungen sind ein echter Workflow
In Tricount kannst du Ausgaben kommentieren oder editieren. Wenn dir etwas nicht passt, schreibst du es entweder in einen Kommentar, oder du änderst es einfach. Ein echter Konflikt-Workflow existiert nicht.
In Equna kannst du eine Ausgabe beanstanden und damit eine Klärung anstoßen. Solange offene Klärungen existieren, kann der Monat nicht abgeschlossen werden. Das zwingt strittige Sachen an die Oberfläche, statt sie in einem stummen Kommentarfeld verschwinden zu lassen.
Klingt nach mehr Reibung — ist aber im Ergebnis weniger Reibung. Konflikte, die man früh klärt, eskalieren nicht.
5. Verteilungs-Änderungen brauchen beide Stimmen
In Tricount kann jeder Teilnehmer eine Ausgabe oder deren Aufteilung jederzeit ändern. Keine Bestätigung, keine Nachfrage.
Equna macht das bewusst anders. Wer den Verteilungsschlüssel ändern will (z. B. von 50/50 auf 60/40), schickt einen Vorschlag. Der Partner bekommt eine Benachrichtigung und muss zustimmen, bevor die neue Verteilung greift. Bis dahin rechnet die App weiter mit der alten.
Klingt nach einer Kleinigkeit. In einer Beziehung ist es das Gegenteil. Geld funktioniert nur dann harmonisch, wenn niemand das Gefühl hat, dass jemand still etwas verschiebt.
6. Gemeinsame Sparziele — nicht nur teilen, sondern planen
Tricount teilt auf. Es spart nicht.
Equna Premium kennt gemeinsame Sparziele: Urlaub, neues Sofa, Notgroschen, Renovierung. Equna erkennt am Monatsende automatisch, wenn ihr unter eurem Budget geblieben seid, und schlägt vor, den Überschuss aufs gemeinsame Ziel zu buchen. Ihr bestätigt — der Balken füllt sich.
Aus „Wir kommen klar mit Geld" wird „Wir bauen zusammen etwas auf". Ein anderes mentales Modell als reines Abrechnen.
7. Budgets statt nur Salden
Tricount zeigt euch, was ihr ausgegeben habt. Es zeigt euch nicht, was ihr ausgeben wolltet. Es gibt keine Budgets, keine Schwellenwerte, keine Frage „Wie viel haben wir noch für Lebensmittel diesen Monat?".
Equna hat ein vollwertiges Budget-System:
- Drei Bereiche: Persönlich, Gemeinsam, Kind — jeweils mit eigenem Gesamt-Budget.
- Pro Kategorie (Premium): Eigene Limits für Lebensmittel, Miete, Freizeit, etc.
- Budget-Gruppen (Premium): Mehrere Kategorien unter einem Topf, z. B. „Fixkosten" = Miete + Strom + Internet.
- Jahres-Budgets (Premium): Für Versicherungen oder andere jährliche Posten.
- Warnungen: Bei 100 % (Free), zusätzlich bei 80 % und 90 % (Premium).
Das ist ein anderes Werkzeug. Tricount sagt dir, wie ihr in der Vergangenheit gestanden habt. Equna hilft euch, im laufenden Monat die Kurve zu kriegen.
8. Datenschutz: Frankfurt mit eigenem OCR
Beim Datenschutz ist der Abstand zu Tricount kleiner als bei US-Anbietern — Tricount gehört zu Bunq (Niederlande), ist also EU-basiert und DSGVO-konform. Equna geht trotzdem einen Schritt weiter:
- Server: IONOS in Frankfurt. Eure Daten liegen in Deutschland.
- Belegerkennung (OCR): läuft auf unserem eigenen Server mit PaddleOCR. Eure Kassenbons gehen nicht zu Google Vision, AWS oder einem anderen Cloud-Anbieter.
- Persönliche Ausgaben: ausschließlich auf eurem Gerät, in einer verschlüsselten lokalen Datenbank (SQLCipher AES-256). Sie erreichen unsere Server nie — auch nicht als Backup.
- Kein Tracking: Kein Google Analytics, kein Facebook Pixel, keine Werbe-Cookies.
Tricount erfüllt EU-Standards. Equna versucht, dahinter eine eigene Haltung zu haben.
9. Werbefrei. Bewusst.
Tricount Free zeigt Werbung. Das ist legitim, jemand muss die Server bezahlen.
Equna Free zeigt keine Werbung. Wir finanzieren uns über Nutzer, die freiwillig auf Premium wechseln — und falls jemand wechselt, gilt das Abo automatisch für beide Partner. Fair teilen sollte sich auch beim Bezahlen anfühlen.
10. Ein Premium-Modell ohne Bank-Bindung
Tricount ist heute Teil von Bunq, und einige der spannenderen Premium-Funktionen — wie „Smart Settle" — sind eng an Bunq-Konten gekoppelt. Wer kein Bunq-Kunde ist, sieht davon wenig.
Equna ist bank-unabhängig. Premium kostet 4,99 € im Monat (oder 49,99 € im Jahr) — und gilt für beide Partner. Keine Konto-Bindung, kein Upsell zu einem Banking-Produkt, das ihr nicht wolltet.
Wann Tricount weiterhin die bessere Wahl ist
Ich will hier ehrlich bleiben. Es gibt Situationen, in denen Tricount klar überlegen ist:
- Eine Reise mit Freunden, die zwei Wochen dauert und dann fertig ist.
- Eine WG mit 4+ Leuten, bei der ständig jemand ein- oder auszieht.
- Spontane Gruppen-Abrechnungen ohne langfristigen Kontext — Junggesellenabschied, Wochenend-Trip, Pizza-Abend.
- Bunq-Nutzer, die Smart Settle direkt im eigenen Konto integriert haben wollen.
Für diese Fälle ist Tricount gebaut, und es ist sehr gut darin. Equna in einer 5er-WG einzusetzen wäre, als würde man einen Familienkalender für einen Roadtrip verwenden — möglich, aber an der Sache vorbei.
Wann Equna die bessere Wahl ist
Equna ist für die Fälle gebaut, in denen Geld nicht abgerechnet, sondern gemeinsam gelebt wird:
- Paare im gemeinsamen Haushalt, die Miete, Einkäufe, Strom und alles dazwischen sauber im Blick behalten wollen.
- Co-Eltern nach einer Trennung, die gemeinsame Kinderkosten fair, transparent und ohne Streit aufteilen wollen.
- Patchwork-Familien, die mehrere Konstellationen unter einen Hut bringen müssen.
- Frisch zusammengezogene Paare, die früh klare Strukturen wollen, damit Geld kein Streitthema wird.
Für genau diese Situationen ist Equna gebaut — mit klarem Monatsrhythmus, eigenem Kinder-Bereich, beidseitigen Zustimmungen, gemeinsamen Sparzielen, Budgets und Servern in Frankfurt.
Zum Schluss
Tricount ist genial für das, wofür es gebaut ist: schnelle, leichte Gruppen-Abrechnungen. Wenn ihr in zwei Wochen nach Italien fahrt, bleibt bei Tricount.
Aber wenn ihr nicht eine Reise teilt, sondern ein Leben — wenn ihr Kinder habt, einen gemeinsamen Haushalt, oder als getrennt lebende Eltern eine faire Lösung sucht — dann braucht ihr etwas, das mehr ist als eine Spesen-App.
Das ist Equna. Nicht „besser" im abstrakten Sinn, sondern für eure Situation gebaut.
Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen teilen willst: contact@equna.eu. Ich antworte persönlich.
— Patrizio
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